Aufstellen des Anliegensatzes

in der Gruppe

Das Aufstellen des Anliegensatzes findet in einer kleineren oder größeren Gruppe statt. Alle sitzen im Kreis und ich als Prozessbegleiterin habe neben mir einen Platz für den Klienten freigehalten. Einer der Anwesenden beginnt mit seiner Aufstellung, indem er sich auf diesen freien Platz setzt. Nun hat er für sich den Raum, mir und der Gruppe seine aktuelle Situation zu schildern und ein passendes Anliegen für sich zu suchen und zu formulieren.

Durch Nachfragen verschaffe ich mir noch weitere notwendige Informationen über die Kindheit und Vergangenheit des Klienten. Wichtig sind vor allem die traumatischen Ereignisse, die in seinem Leben und in seiner Familie bekannt sind. Dann schreibt der Klient seinen Anliegensatz auf ein Whiteboard, damit es keine Unklarheit über den formulierten Satz und die Worte gibt. Dann wählt er sich intuitiv einen für ihn geeigneten Stellvertreter für sein erstes Wort aus der Gruppe aus, nimmt ihn an die Hände und weist ihm einen Platz in der Mitte des Kreises zu. Der Klient selber bleibt gleich mit in der Aufstellung stehen, formuliert sein Anliegen dem Stellvertreter noch einmal und dann beginnt zwischen den beiden der seelische Austauschprozess. Der Stellvertreter für ein Wort beginnt, das, was er innerlich zu diesem Thema fühlt und denkt, in Form von Worten, Bewegungen und Gesten dem Klienten auszudrücken. So entsteht ein Dialog zwischen den beiden und es zeigt dem Klienten, was in ihm innerpsychisch momentan vorgeht und wo er innerlich gerade in Bezug zu seinem Thema steht.

 

Der Stellvertreter für das erste Wort, der in seinen Aussagen einen wunden Punkt berührt, kann beim Klienten oft starke emotionale Reaktionen hervorrufen, von denen er oft selber sehr überrascht ist.

Die Dynamik, die zwischen dem Klienten und seinem Anliegen besteht, wird von mir empathisch, achtsam und genauestens beobachtet, kommentiert und intensiv begleitet.

Um das Geschehen richtig und prozessorientiert zu interpretieren, ist eine gute Kenntnis über die Bindungsdynamiken, Trauma und psychische Spaltungen notwendig. Wenn der Klient oder ich das Gefühl haben, dass der Zeitpunkt richtig ist, dann wird ein neues Wort dazu genommen. Manchmal mache auch ich dem Klienten Vorschläge, wie es weitergehen könnte. Mit dem Dazunehmen neuer Stellvertreter verändern sich auch die Dynamik der Aufstellung und die Reaktionen der Persönlichkeitsanteile. Stellvertreter können oft sehr schnell und klar die Innenperspektive der Person oder des Anteiles einnehmen, für den sie gerade ausgewählt wurden. Sie spüren in sich die fremden Gefühle, Gedanken und Bilder, verlieren aber nie die Kontrolle über ihre eigene Persönlichkeit und können relativ schnell wieder aus der Stellvertreterrolle aussteigen. Die Stellvertreter können nur das spüren und wahrnehmen, was der Klient unbewusst auch bereit ist frei zu geben. Damit der Klient aus seinen inneren Blockaden herauskommt, ist es wichtig, abgespaltene Persönlichkeitsanteile zu integrieren und sich aus symbiotischen Verstrickungen zu lösen.

 Durch das Aufstellen des Anliegens, bestimmt jeder Klient selbst, in welchem Tempo er seine Schritte, seine inneren Prozesse und seine psychischen Veränderungen gehen will. Am Ende einer Aufstellung werden alle Stellvertreter vom Klienten wieder aus ihren Rollen entlassen.