Im vergangenen Jahr haben Christin und ich es gewagt, uns einem Tabuthema zuzuwenden. In der Seminarreihe „Authentisch Menschsein“ haben wir erstmals den Raum geöffnet für „Die Ehe von Leben und Tod“. Es war auch für uns persönlich eine Herausforderung – ein bewusstes Betreten von innerem Neuland. Gleichzeitig bewegte uns die Frage, wie wir dieses gesellschaftlich weitgehend verdrängte Thema so vermitteln können, dass es nicht überfordert, sondern berührt und trägt.
Neben Impulsvorträgen haben wir eine Vielzahl erfahrungsorientierter Übungen angeboten und uns ganz bewusst auch auf die Dunkelheit eingelassen. Zu unserem großen Erstaunen war die Bereitschaft der Teilnehmenden, allein für eine bestimmte Zeit in die sogenannte „Erdhöhle“ hineinzukriechen, sehr groß.
Was dort entstand, war eine Tiefe der Begegnung, die nachhaltig berührt hat.Wir haben experimentiert, Lebensrad-Wanderungen integriert, Selbsterkundungen in Dyadenarbeit angeregt und Räume geschaffen, in denen das Stirb-und-Werde erfahrbar werden durfte – jenes Prinzip, das uns jeden Tag, in jedem Lebensabschnitt und letztlich im großen Loslassen begegnet. In dieser gemeinsamen Auseinandersetzung entstand ein starkes Gefühl von Verbundenheit. Als Menschengemeinschaft fühlten wir uns getragen, aufgehoben und geborgen – selbst dort, wo es "innerlich" und "äußerlich" dunkel wurde. Gerade in der bewussten Hinwendung zur Endlichkeit öffnete sich ein Raum für Sinn, Lebendigkeit und eine tiefere Wahrheit des Menschseins.
Wenn wir das Wort Tod hören, denken viel an ein Ende. Doch in Wahrheit begleitet uns der Tod vom ersten Atemzug an – als Wandlung, als loslassen, als Stille zwischen zwei Schlägen, jede Veränderung, jeder Übergang, jede Entscheidung, die uns wachsen lässt, enthält ein kleines Sterben: Wir verabschieden alte Rollen, alte Überzeugungen, alte Sicherheiten. Wir verlieren etwas damit. Raum entsteht für das neue. Der Tod im Leben ist also kein Feind, sondern ein innerer Begleiter, der uns immer wieder zur Wahrheit führt: nichts bleibt, wie es war und genau darin liegt das Leben selbst. Wenn wir beginnen, das zu verstehen, verwandelt sich Angst in Ehrfurcht. Wir erkennen das Leben und Tod keine Gegensätze sind, sondern Liebende, die einander halten, wie Tag und Nacht einatmen und ausatmen geben und nehmen. Jedes loslassen ist eine Einladung zu Verwandlung.
Wo wir den Tod ausklammern, verlieren wir oft auch die Tiefe des Lebens.
Die Angst vor dem Tod ist in der Tiefe der Seele die Angst vor dem Leben – ein Ruf des Lebens, endlich ganz gelebt zu werden.
Dieses Seminar lädt dazu ein, beide als miteinander verwobene Kräfte zu erforschen – ehrlich, behutsam und lebendig.
In einem geschützten Raum wenden wir uns den großen Fragen zu:
Was bedeutet es, wirklich lebendig zu sein?
Wie verändert sich unser Leben, wenn wir die Endlichkeit mitdenken?
Und was heißt es, dem Sterben – dem eigenen wie dem anderer – bewusst zu begegnen?
Durch Impulse, stille Reflexion, Austausch in der Gruppe und erfahrungsorientierte Übungen nähern wir uns dem Tod nicht als Bedrohung, sondern als Lehrer. Daraus kann Klarheit entstehen, Dankbarkeit, Mut – und eine tiefere Verbundenheit mit dem eigenen Leben.
Bewusst zu leben bedeutet, die Endlichkeit des Lebens anzuerkennen und diese Erkenntnis als Impuls zu nutzen, das eigene Dasein achtsam, authentisch und im Einklang mit den persönlichen Werten zu gestalten. Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Sterblichkeit führt dabei nicht zwangsläufig zu Angst, sondern kann vielmehr eine tiefere Wertschätzung für den gegenwärtigen Moment eröffnen.
Bewusst zu leben setzt einen lebendigen Kontakt zu den eigenen Gefühlen voraus – und damit zu dem, was sich im Körper zeigt und ereignet. Gefühle sind nicht bloß innere Zustände, sondern Ausdruck unserer leiblichen Verfasstheit und unseres In-der-Welt-Seins. Über sie treten wir in Beziehung zum gegenwärtigen Moment, jenem Ort, an dem sich das Leben tatsächlich vollzieht.
Geht dieser Kontakt verloren, etwa in Zuständen innerer Erstarrung durch frühkindliche Bindungstraumatisierung, geraten wir aus dem Fluss des Lebens. Emotionale Taubheit stellt sich ein, das Hier und Jetzt wird nicht mehr wahrgenommen. In dieser Abspaltung verliert der Mensch den Zugang zu seinen lebendigen Selbstimpulsen – jenen inneren Bewegungen, die Entwicklung ermöglichen, Orientierung geben und zum individuellem Leben drängen.
Ohne diesen inneren Kontakt wird das Leben nicht mehr ergriffen, sondern lediglich erduldet. Handlungsfähigkeit schwindet, Entscheidungen werden von Angst statt von innerer Stimmigkeit bestimmt. Bewusst zu leben heißt daher, sich dem eigenen Erleben zuzuwenden, den Körper als Resonanzraum ernst zu nehmen und den Mut zu entwickeln, den eigenen Impulsen zu vertrauen – auch dort, wo Unsicherheit und Verletzlichkeit spürbar werden.
Bewusst zu sterben bildet den natürlichen Abschluss eines bewusst gelebten Lebens. Es bedeutet, dem Tod nicht als Gegner zu begegnen, sondern ihn als unvermeidlichen Bestandteil menschlicher Existenz anzuerkennen. In dieser Haltung verliert der Tod seinen bedrohlichen Charakter und wird zu einem Gegenüber, das dem Leben Tiefe und Ernst verleiht.
Wer im Bewusstsein der eigenen Endlichkeit lebt, kann Freiheit gewinnen und wahrhaft leben. Leben und Tod stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern verhalten sich wie Tag und Nacht: polar, doch untrennbar verbunden.
"Wenn Leben heißt nur zu Überleben, dann hat Leben keinen Sinn" Viktor Frankl
Tot-Sein im Leben bedeutet Automatismus und das Leben wird verwaltet statt gelebt. Tot-Sein im Leben ist daher kein biologischer Zustand, sondern ein Verlust von Beziehung, Sinn und Resonanz zu unserer Seele.
Schon zu Lebzeiten bewusst zu sterben heißt, blockierende Selbstbilder und innere Muster zu erkennen und loszulassen, die uns daran hindern, unseren lebendigen Weg bis zum Schluss zu gehen.
Wenn wir bewusst leben und uns den eigenen Weg erschließen, sind wir im "sterben" geübt und können dem großen Loslassen – dem physischen Sterben – mit Aufrichtung, Klarheit und Zuversicht begegnen. Wir können an das Ende unseres Lebens treten und sagen: „Es war ein gutes Leben. Ich habe es ergriffen, erfahren und bin daran gereift – in Liebe, Weisheit und innerer Freiheit.“
Denn am Ende bleibt nichts Materielles, nichts, was wir besitzen könnten; wie es heißt: „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Was wir wirklich mitnehmen, sind die Erfahrungen, die Tiefe unserer Begegnungen, die Liebe, die wir gegeben und empfangen haben, und die Weisheit, die uns das Leben lehrte. Wer dies im Leben verinnerlicht, begegnet auch dem Tod nicht als Verlust, sondern als natürlichem, vollendeten Abschluss des Daseins hier auf Erden und das neue Erwachen an einem anderen Ort.
"Wir können unser Leben nicht verlängern, sondern durch ICH-Bewusstsein mehr Tiefe im Hier und Jetzt geben"
Termin:
Donnerstag, 19. November 2026 (Start um 16:00 Uhr)
bis Sonntag, 22. November 2026 um 14 Uhr
Seminarzeiten:
09:00 Uhr bis 13:00 Uhr
13:00 Uhr bis 14:30 Uhr gemeinsames Mittagessen
14:30 Uhr bis 18:00 Uhr
18:00 Uhr bis 19:30 Uhr gemeinsames Abendessen
19:30 Uhr bis 21:30 Uhr Integrationszeit mit Stille, Übungen, Wahrnehmungen und Imaginationen
Seminargebühren:
390 € zuzüglich
50 € für Verpflegung, kaltes Buffet, Kuchen, Getränke und 2 x Mittagessen bitte vor Ort bar bezahlen.
Die Seminargebühr bis spätestens 14 Tage vor Beginn auf folgendes Konto überweisen oder bar vor Ort bezahlen.
Meine Bankverbindung:
Dagmar Strauß
IBAN bei der HypoVereinsbank:
DE47 721 20078 245 017 4893
Mit der Anmeldung werden auch meine AGBs akzeptiert: siehe unter "Workshops"
Hotel Garni "Abenstal": Seysdorf fußläufig 10 Minuten entfernt.
www. hotelabenstal.com
Gasthaus Ostermeier: Attenkirchen 7 km entfernt.
www.ostermeiers.com
Pension "Zum Spitzbuam": Attenkirchen 7 km entfernt
www.zum-spitzbuam.de
Gasthaus Rosenwirt: Au 3 km entfernt
www.rosenwirt.com
Hotel Living Hallertau: Rudelzhausen 8 km entfernt
www.living-hallertau.de