Therapeut (Th): „Nimm dir etwas Zeit, um mit deinem ICH aus dem Anliegensatz ‚Warum habe ich Angst vor dem Alleinsein?‘ in Kontakt zu gehen.“
Der Klient bekommt Zeit, um sich mit seinem ICH zu verbinden. Der Therapeut beobachtet den Klienten, achtet auf Atmung und Körperhaltung und bleibt selbst in Resonanz mit dem, was beim Klienten innerlich geschieht.
Th: „Wie geht es dir mit deinem ICH?“
Klient (K): „Ich bin etwas aufgeregt und habe Herzklopfen.“
Th: „Und wie geht es deinem ICH mit dir? Schaut dein ICH dich an?“
K: „Nein, es schaut ein bisschen an mir vorbei.“
Th: „Wie geht es dir, wenn dein ICH dich nicht richtig anschaut?“
K: „Das macht mich traurig.“
Th: „Wie ist das für dein ICH, wenn es erlebt, dass du traurig bist?“
K: „Jetzt schaut es zu mir her.“
Th: „Was kommt von seinem Blick bei dir an?“
K: „Es schaut mich hilfesuchend an.“
Th: „Und wie ist das für dich, wenn dein ICH dich hilfesuchend anschaut?“
K: „Das berührt mich, ich fühle Mitgefühl.“
Th: „Kennst du dieses Gefühl aus deiner Kindheit?“
K: „Ja, ich habe mich oft hilflos gefühlt.“
Th: „Wenn dein ICH das jetzt hört, dass du es aus deiner Kindheit kennst, verändert das etwas bei deinem ICH?“
K: „Ja, wir bekommen jetzt besseren Kontakt miteinander.“
Th: „Damals gab es für dein ICH niemanden, der gefühlt hat, wie es ihm geht, aber heute bist du da und du kannst jetzt Mitgefühl haben“. Heute bist du die/der Erwachsene, der dem hilflosen ICH (Kind) von damals durch deine Mitgefühl eine neue Bindung anbietet.
Der Therapeut spricht hier über das ICH in der dritten Person, um den Klienten im Hier und Jetzt als Erwachsenen zu halten.
Kommentar:
In der Einzelaufstellung ist es genauso wichtig wie in der Gruppenaufstellung, den Klienten positiv zu spiegeln. Dies kann zum Beispiel durch Sätze geschehen wie: „Schau mal, wie liebevoll du jetzt gerade auf dein ICH schaust.“ oder
„Es ist mutig von dir, dich so verletzlich zu zeigen.“
Solche positiven Rückmeldungen stärken den Klienten im Prozess und geben ihm das Gefühl von Selbstwirksamkeit, um aus der erworbenen Hilflosigkeit rauszukommen.
Die Klienten können während der Aufstellung auch jederzeit die Bodenanker umlegen, wenn es sich für sie stimmiger anfühlt. Dies bringt zusätzliche Dynamik in die Einzelaufstellung.
Der Klient (K) legt seinen Bodenanker für das ICH auf den Boden und setzt sich ihm gegenüber, sodass sie sich „anschauen“ können.
Th: „Wie geht es dir mit deinem ICH aus dem Anliegen ‚…‘?“
K: „Ich spüre eine Starre im Bauch, Bauchschmerzen und Herzrasen.“
Th:„Schau mal, was passiert, wenn du den Abstand zu deinem ICH vergrößerst.“
(An dieser Stelle kann der Klient mit dem Stuhl etwas nach hinten rutschen oder der Therapeut fragt, ob der Bodenanker ein Stück nach hinten verschoben werden soll.)
Meistens entspannt sich der Klient, wenn der Abstand vergrößert wird. Der Abstand wird so lange vergrößert, bis die Symptome nachlassen. Falls keine Erleichterung eintritt, lässt der Therapeut den Klienten aus der Blickrichtung des ICHs treten, um zu sehen, ob die Symptome dadurch abnehmen.
Kommentar:
Wenn der Klient während der Arbeit Symptome wie Schmerzen, starke innere Aktivierung oder Traumagefühle entwickelt, lasse ich ihn – wie in einer Gruppenaufstellung – Abstand zu seinem ICH einnehmen oder aus dessen Blickrichtung treten. Dies hilft häufig, den Klienten zu regulieren und die Symptome abklingen zu lassen. Von dieser sicheren Position aus kann er dann langsam wieder Kontakt aufnehmen oder in die Blickrichtung seines ICHs zurückkehren, während er beobachtet, was sich innerlich verändert.
Es ist beeindruckend zu sehen, wie der Klient mit dem Kontakt zu seinem ICH experimentiert, indem er zwischen Blickkontakt und Rückzug wechselt. Dabei werden oft deutliche Veränderungen im inneren Erleben und in den körperlichen Reaktionen sichtbar – je nachdem, ob er den Bodenanker direkt ansieht oder zur Seite tritt. Das Wichtigste ist, dass der Klient jederzeit die Möglichkeit hat, sich in eine sichere Position zu bringen und die Kontrolle über den Prozess zu behalten.