Das Menschenbild in TIRA

In TIRA wird der Mensch als ein selbstbestimmtes, individuelles Wesen verstanden, das einen unverletzlichen, unvergänglichen, individuellen und essentiellen Wesenskern in sich trägt. Dieser Kern ist unabhängig von äußeren Einflüssen oder biografischen Erfahrungen und strebt immer nach individueller Verwirklichung.

In jedem Menschen existiert ein gesundes, eigenes ICH, und in jedem liegt die Fähigkeit zur Selbstintegration. Der therapeutische Prozess unterstützt den Zugang zu diesem inneren Wesenskern und ermöglicht es, verloren gegangene Anteile wiederzuentdecken und in der eigenen Seele zu integrieren.

Gleichzeitig ist der Mensch ein Beziehungswesen: Er möchte zu einer Gemeinschaft gehören und doch sein individuelles Selbst bewahren. Dieser Grundkonflikt – „Ich will dazugehören, aber ich will auch individuell sein“ – prägt schon die Kindheit.

Autonomie, Feinfühligkeit und die Fähigkeit zu intensivem emotionalen Bindungsverhalten gehören von Natur aus zum Menschen. Überlebensstrategien, die sich z.B. auch als Pseudoautonomie manifestieren, sind intelligente Anpassungen, die in der Kindheit notwendig waren, im Erwachsenenleben jedoch einschränkend und blockierend für die eigene Lebensgestaltung wirken.

Der Mensch ist von Natur aus gesund, lebendig und entwicklungsfähig. Entwicklung ist jederzeit möglich, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Selbst Erwachsene in jedem Alter können verlorene Selbstanteile integrieren, die eigene Bindungsfähigkeit wieder entwickeln (eine „erworbene“ sichere Bindung) und einen gesunden ICH-Raum entwickeln, der klare Grenzen aufweist. Bindung wird als grundlegendes Bedürfnis verstanden, und wenn frühe Beziehungsbedürfnisse nicht ausreichend erfüllt wurden, können die daraus resultierenden bindungstraumatischen Folgen durch ICH-Rückanbindung transformiert werden.

Der Fokus in TIRA liegt darauf, gesunde ICH-Strukturen aufzubauen, den Zugang zu innerer Lebendigkeit zu fördern und die natürlichen Ressourcen des Menschen zu aktivieren – damit jeder Schritt hin zu Selbstbestimmung, Autonomie und innerer Verbundenheit möglich wird.

Bildnachweis: Dagmar Strauß; Blattgrafik Magnific.com